Zu sehen ist ein gemaltes Gesicht eines alten Mannes mit einer großen Nase, auf der eine schiefe Brille zu schweben scheint. Seine gütigen blau-grauen Augen sind mit Tränen gefüllt und blicken Dich direkt an.

Wie uns die Tränen zu unserem wahren Bedürfnis führen

Es gibt unzählige Heldengeschichten. Manche davon haben etwas mit der Erkenntnis des Helden zu tun, dass die Welt, in der er lebt, eigentlich ganz anders ist, als er dachte. Er möchte am Altbekannten festhalten und sich vor den großen Fragen drücken, weil er die Antworten nicht hören will. Ein Mentor kreuzt seinen Weg und konfrontiert ihn mit all dem, was er vermeidet. Der Weise steht vor seiner Tür und wartet darauf, dass er sich dem Abenteuer stellt.

Vielleicht erkennt der Held, dass Vertrauenspersonen es nicht gut mit ihm meinen und er ausgetrickst wurde. Oder er steht vor einer anderen Enttäuschung, die sein Glaubenssystem erschüttert. Manchmal gelingt ihm auch nicht, was er sich im Leben vorgenommen hatte, und er fragt sich, warum gerade ihm das passiert. Immer wird der Held am Anfang einer Geschichte mit einer schwierigen Aufgabe konfrontiert, die er am liebsten links liegen lassen würde, weil sie seine gewohnten Bahnen sprengt. Doch wer sich vor seinen Problemen und Herausforderungen versteckt, wird niemals eine Lösung für sie finden können und sich nur immer tiefer in sie hineindrehen.

Wie stellt man sich einer Aufgabe, für deren Erfüllung man keinerlei Erfahrungswerte heranziehen kann?

Erkennst Du ein Problem, das nicht mehr zu leugnen ist, gibt es nur einen Weg, nämlich ehrlich hinzusehen und herauszufinden, was Du stattdessen brauchst und was ein neues Ziel sein könnte. Und um den Weg dorthin soll es hier gehen. Du bist nicht allein mit diesem Rätsel. Auch mir ging es oft schon so, dass ich am liebsten davongelaufen wäre. Ich wollte mich vor meiner Traurigkeit verstecken und mich von der Verwirrung unbeantworteter Fragen ablenken. Oft geschieht das nicht einmal bewusst, sondern fast wie auf Autopilot. Die Zeiten haben sich zudem verändert. Alles muss schnell, schnell und husch, husch abgehandelt werden, damit wir mit dem Zahn der digitalen Zeit mithalten können. Überall lockt uns die Zerstreuung. Die verführerischen Geräte verleiten uns in eine Art, miteinander zu kommunizieren, die kaum mehr als an der Oberfläche kratzt.

Wir alle haben schon schwierige Dinge erlebt. Wenn es um eine individuelle Erfahrung geht, kann man sich selbst damit befassen, sobald man sich bereit dafür fühlt. Was aber, wenn eine Aufgabe uns alle zusammen betrifft?

Auch die Gemeinschaft steht manchmal vor Herausforderungen.

Wenn unsere Körper sich verletzen, wie heilen sie sich selbst? Mithilfe des Blutes, nicht wahr? Das Blut transportiert mögliche Keime und Bakterien aus dem Inneren der Wunde hinaus und verschorft sie. Könnten wir das Bluten unterdrücken, müssten wir mit einer offenen und reizempfindlichen Wunde leben und versuchen, diese zu verbergen, wenn wir nicht ständig an die Ursache der Verletzung denken und den Schmerz neu entfachen wollen. Das Blut braucht auch etwas Zeit, um zu verdicken und schorfig zu werden. Das heißt, wir müssen immer etwas Geduld aufbringen und den verletzten Körperteil schonen.

Was aber, wenn unsere Seele eine Wunde erleidet? Wie schließen sich seelische Wunden so, dass der Schmerz nach außen strömen kann und sich langsam eine zarte neue Haut auf ihnen bildet?

Unsere Seele blutet über die Tränen.

Die Traurigkeit ist die Sprache der Seele. Sie vermittelt uns, was uns fehlt, was wir wirklich brauchen und auch, was sie verletzt hat. Man kann uralte seelische Wunden mit sich herumtragen und sie sogar an seine Nachkommen vererben. Viele Menschen wehren sich dagegen, ihre Tränen zuzulassen, weil das Weinen uns den Schmerz zeigt, der entsteht, wenn unser Bedürfnis nicht erfüllt wurde. Manche Menschen werden dann auch wütend, um ihre Traurigkeit und die offene seelische Wunde zu behüten.

Die Wut ist die Beschützerin der Traurigkeit. Sie meint es eigentlich nur gut mit uns und bringt uns zurück in die Kraft. Doch die Wut macht uns auch unbeliebt, nicht wahr? Wer möchte schon abgewiesen und verurteilt werden? Da bietet sich die Strategie des Verbergens an. Manchen Menschen gegenüber möchte man sich auch nicht verletzlich und traurig zeigen, weil man gar nicht weiß, wie sie reagieren würden.

Viele von uns hoffen darauf, dass einfach nur genug Zeit vergehen muss, um die Seele zu heilen. Aber wenn man die dafür nötigen Tränen nicht weint und die Seele und ihr Bedürfnis ignoriert, wächst die Wunde nach innen und die Tränen werden zu Eis. Dort, wo es im Inneren friert, wird das Gefühl unsichtbar. Diese ungewollten vereisten Tränen machen Dich stumpf und trennen Dich von Dir selbst. Oder sie verwandeln sich in Verhaltensweisen, die Dir selbst schaden. Wir müssten die Eistränen zum Schmelzen bringen. Doch was tun wir, wenn niemand dies erlauben möchte? Wenn der eine damit begönne, könnten die anderen sich an ihre eigene Traurigkeit erinnert fühlen und erkennen, dass in ihnen etwas nicht frei schwingt und unbefriedet ist.

Weißt Du, was das Wundervolle am Leben is? Es ist niemals zu spät, der Seele zu lauschen. Und wenn wir alle gemeinsam eine schlimme Erfahrung gemacht haben, in der die Sprache unserer Seele verstummte, liegt es an uns, ob das so bleibt oder sich wandeln darf.

Deshalb wende ich mich nun der Kraft der Gemeinschaft zu

Nicht nur in jedem einzelnen von uns – auch in der Gruppe gibt es Bedürfnisse. Wir erfahren durch die Gemeinschaft Schutz und Zugehörigkeit. In einer freiheitlichen Gesellschaft sprechen wir offen über unsere Aufgaben und Herausforderungen und einigen uns im Dialog auf einen gemeinsamen Weg, damit umzugehen.

Wir müssen uns gewahr darüber werden, wer es wirklich ehrlich mit uns meint, damit wir uns an das erinnern können, was uns verbindet, und nach Lösungen für Herausforderungen suchen können, die uns voneinander trennen könnten und verursachten, dass wir nicht mehr zusammenarbeiten und unsere Meinungsverschiedenheiten dazu nutzen, uns gegenseitig zu entwerten. Wir sollten uns alle darum bemühen, dass jeder zu Wort kommt, über seine Erlebnisse frei sprechen darf und Verständnis erfährt, statt ausgegrenzt zu werden. Wir sollten uns gesellschaftlich darum bemühen, dass unser Bedürfnis nach Verbindung und Gemeinschaft Raum bekommt und erfüllt werden kann.

In einer seelisch gesunden Gesellschaft interessieren sich die Menschen dafür, wie es anderen geht, und wir alle zusammen bilden ein gutes Team. Freien und zugewandten Menschen sind die anderen nicht egal. In diesen Tagen aber denken viele von uns leider nur noch an sich selbst oder ihr direktes Umfeld. Die meisten würden das aber natürlich niemals zugeben. Und genau hier sitzt der Hase im Pfeffer.

Was ist mit all den ungeweinten Tränen und den vereisten Gefühlen all jener Menschen, die nie über ihre Zweifel und ihre Traurigkeit, über ihre Wut und all die offenen Fragen gesprochen haben? Von allein werden diese inneren Konflikte nicht verschwinden und sich vermehrt durch psychische Auffälligkeiten, Süchte oder Krankheiten manifestieren.

In der Welt der inneren Realität sind wir frei.

Das erste Buch, das eine Art Vorwort für die Reise in Deinen inneren Regenbogen ist, schrieb ich in einer sehr schwierigen Zeit, um meiner Tochter einen Zugang zu einer Welt zu schenken, in der Wunder geschehen können – Wunder, auf die sie damals als Kind vergeblich hoffte. Der erste Band der Buchreihe erinnert an die unschönen und beklemmenden Gefühle einer Heldin, die in einer weltweiten Ausnahmesituation unglücklich war. Und in der Erzählung geschieht ein Wunder, das ihr bewusst macht, wie wichtig die inneren Welten sind, wenn die Welt im Außen Kopf steht. Leichtigkeit und Humor, Neugierde und Lebensfreude kehren zurück und erinnern sie an das, was möglich ist, wenn wir uns nur trauen, das Offensichtliche zu überwinden und das Mögliche zu erträumen. Darin liegt das Geheimnis erfolgreicher Helden: Sie fürchten nicht die Katastrophe, sondern erwarten das Wunder im Unbekannten.

Ich habe Dir den Klappentext vorgelesen, damit Du eine Idee davon bekommst, worum es im ersten Buch geht. Du findest die Aufnahme und auch den Text in der Rubrik „Lesen & Lauschen“ im zentralen Menü.

Wow, Du liest und hörst gerade tatsächlich den letzten Absatz dieses Blog-Artikels! Du bist dem Thema nicht ausgewichen und hast Dich konfrontiert – neugierig und offen – so, wie es wahre Helden zu Beginn ihrer großen Reise tun.

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